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Der gläserne Landrat tagt zum ersten Mal

Der gläserne Landrat tagt zum ersten Mal

Zurück aus dem «Exil» macht sich der Landrat mit der Technik vertraut. Der Präsident trauert dem Alten nach.

Daniel
Fischli
vor 1 Monat in
Politik
Der Glarner Landrat ist wieder zuhause.
BILD KANTON GLARUS

Nichts weniger als eine «Rückkehr in die Heimat» ist für Landratspräsident Hans-Jörg Marti der Wiedereinzug des Landrats in seinen «altehrwürdigen Saal» im Rathaus. Anderthalb Jahre lang hat das Kantonsparlament in 270 Meter Distanz im «Schützenhaus» getagt; im «Exil», wie Baudirektor Kaspar Becker gestern Mittwoch meinte.

Man ist nicht nur ins Exil gegangen, weil es im «Schützenhaus» einfacher war, die Corona-Distanzregeln einzuhalten, sondern vor allem weil der Landratssaal renoviert und mit moderner Technik ausgerüstet worden ist. Am Mittwoch hat die Technik ihre Feuerprobe bestanden – und die Landrätinnen und Landräte ihre Feuerprobe mit der Technik. Die elektronischen Abstimmungen liefen wie am Schnürchen.

Landratspräsident Marti zeigte seine Freude über den «wunderschön sanierten Saal». Er verhehlte aber nicht seine Skepsis gegenüber den neuen technischen Möglichkeiten, die er bietet. So entfällt das Abschätzen des Mehrs durch den Landratspräsidenten, denn die Abstimmungsanlage zeigt das Abstimmungsverhalten jeder einzelnen Landrätin und jedes einzelnen Landrates an und zeichnet es auf. Hans-Jörg Marti drückte es so aus: «Das jahrzehntelange Vertrauen in den Landratspräsidenten ist dem Vertrauen in die Technik gewichen.» Auch muss nicht mehr bei einem knappen Ausgang durch die Mitglieder des Büros ausgezählt werden. Oder wieder in den Worten Martis: «Das Landratsbüro wird zum Handlanger der Technik degradiert.»

Kein Theater fürs Internet

Noch nicht in Betrieb war am Mittwoch die Liveübertragung ins Internet. Dies soll im Herbst folgen; noch ist man in der Testphase. Die Voten und das Abstimmungsverhalten werden dann nicht nur festgehalten, sondern auch «weltumspannend» sichtbar, wie sich Marti ausdrückte. Er hoffe, dass sich damit die politische Kultur des Landrates nicht ändern werde. «Sie sind nicht für theatralische Aufführungen gewählt worden», so Martis Mahnung an die Kolleginnen und Kollegen.

Die beiden Planerinnen des neuen Saales, Andrea Frei und Bea Knöpfel, dagegen wiesen in ihrer Präsentation auf mögliche positive Auswirkungen hin. Die neue Sitzordnung im Rechteck sei «demokratischer» als die alte halbrunde, in welcher alle Sitze auf das Präsidium ausgerichtet waren.

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