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Viele Tierquälereien werden nicht angezeigt

Viele Tierquälereien werden nicht angezeigt

Straftaten an Tieren werden in Graubünden immer öfter zur Anzeige gebracht. Mehr als in anderen Kantonen. Dennoch dürfte die Dunkelziffer enorm hoch sein.

David
Eichler
vor 3 Monaten in
Aus dem Leben
Häufiger betroffen: Heimtiere wie Katzen werden öfter drangsaliert als Nutztiere. 
SYMBOLBILD/KEYSTONE

Auf Facebook hat vor Kurzem eine Tierquälerei für heftige Reaktionen gesorgt. Gemäss dem Post ist in der Region Zizers mit einem Pfeil auf eine Katze geschossen worden. Das Thema Tierquälerei weckt Emotionen: «Tierquälerei ist ein schweizweites Phänomen, so auch im Kanton Graubünden», erklärt Andreas Rüttimann, rechtswissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Tier im Recht, gegenüber Radio Südostschweiz.

Die Stiftung Tier im Recht erfasst alle Daten von Straffällen im Zusammenhang mit Tierquälerei in der Schweiz. Die Stiftung analysiert die Daten, die sie vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erhält und veröffentlicht jedes Jahr eine entsprechende Statistik. In Graubünden werden laut Rüttimann pro zehntausend Einwohner mehr Tierschutzstrafverfahren durchgeführt als in anderen Kantonen. Das erscheint auf den ersten Blick negativ, das Gegenteil ist aber der Fall, wie Rüttimann erklärt: «Wir gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl von Fällen in allen Kantonen etwa gleich hoch ist. In Graubünden werden jedoch mehr Fälle nachverfolgt.»

Mehr Fälle bei Heimtieren als bei Nutztieren

Im Jahr 2019 wurden in der gesamten Schweiz 1933 Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Tierschutzgesetz durchgeführt. In Graubünden waren es 76. Es zeige sich, dass mehr Heimtiere als Nutztiere betroffen seien, sagt Rüttimann. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen: «Wir gehen davon aus, dass die Sensibilität für Tierquälereien bei Heimtieren grösser ist als bei Nutztieren.» Entsprechend werden solche Fälle eher zur Anzeige gebracht, als wenn ein Nutztier gequält wird. Ausserdem ist es gemäss Rüttimann so, dass sich die Zahlen in der Statistik auf Fälle und nicht auf die Anzahl betroffener Tiere beziehen. «Im Heimtierbereich ist oft ein Einzeltier betroffen, im Nutztierbereich hingegen sind es meist mehrere Tiere.»

Angriffe sind selten

Am häufigsten drangsalieren gemäss Rüttimann die Tierhalter ihre Tiere. «Fälle, in denen eine Drittperson einem Tier auflauert und ihm gezielt Schmerzen zufügt, es verletzt oder gar tötet, sind nicht typisch.» Meist werden die Tiere vernachlässigt. «Etwa, indem jemand seinem Hund zu wenig Auslauf ermöglicht, ihn den ganzen Tag zu Hause einsperrt und dem Tier keinen sozialen Kontakt zu Menschen oder anderen Tieren ermöglicht.» 

Bei Nutztieren gilt als Quälerei, wenn etwa schwer verletzte Tiere transportiert werden. «Sowohl bei Heim- als auch bei Nutztieren ist ein typischer Fall, dass Tiere nicht so tierärztlich versorgt werden, wie es nötig wäre.» Ein pauschales Motiv, warum Tiere gequält werden, gebe es nicht. «Es zeigt sich aber oft, dass Tierquälereien passieren, wenn die Halter überfordert sind», erklärt Rüttimann.

Was tun bei Verdacht?

Hat man den Verdacht, dass jemand Tiere nicht artgerecht hält oder behandelt, empfiehlt Rüttimann, mit dem zuständigen Veterinäramt Kontakt aufzunehmen und möglichst genaue Angaben zu machen. Anschliessend müsse das Veterinäramt gegebenenfalls eine Kontrolle durchführen. An Tierhalter richtet er den Wunsch: «Haben Sie stets das Tierwohl im Auge und nicht die eigenen emotionalen oder wirtschaftlichen Interessen.»

Der Angriff auf die Katze in der Region Zizers ist traurig ausgegangen. Im Post auf Facebook heisst es, dass die Katze nicht überlebt habe. Es wird darum gebeten, bei ähnlichen Beobachtungen die Polizei zu informieren.

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Der Wof folgt seinem natürlichen Instinkt. Der kann nicht einfach mal in den Coop marschieren, ausserdem scheint es auch die Tierbesitzer nicht zu stören, ansonsten würden sie die Tiere besser bewachen lassen. Scheinbar aber sind solche Massnahmen zu teuer.... Also hört ihr Wolfshasser endlich mit dem Geklöne auf.
Wie die Bäuerin aus der Surselva, die entsetzt "Luv! Luv!" geschrien hat. Aber der Mut hat trotzdem noch gereicht, dem Tier mit dem Handy in der Hand nachzurennen. - Merkt ihr nicht, wie lächerlich ihr seid?

Leider reagieren die zuständigen Veterinärämter nicht oder zu spät.Das ist meine Erfahrung.Manchmal dauert es Jahre bis wirklich etwas unternommen wird.Hätte einige Beispiele in Graubünden.

Schade ist nur, dass die tierschutz Organisationen, veterinäramt etc. Ziemlich wenig Unternehmen, wenn eine Anzeige gemacht wird. Die Mühlen des Gesetzes sind dabei auch ein grosses Hindernis.

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