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Spielende Wölfe machen Furore

Spielende Wölfe machen Furore

In Ennenda sind Wölfe am Dorfrand gefilmt worden. Der Jagdinspektor ist nicht überrascht.

Daniel
Fischli
20.02.21 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
«Ich erwarte nicht, dass sich analog zu den Stadtfüchsen Wölfe dauernd in den Dörfern aufhalten», sagt Jagdinspektor Christoph Jäggi.
ARCHIV

Am Freitagmorgen um 5 Uhr rennen drei wolfsähnliche Tiere zwischen Ennenda und Ennetbühls über eine Wiese und verschwinden in Richtung Ennetbühls. Ein 19 Sekunden langes Video von den Tieren hat auf Facebook für Furore gesorgt. Hunderte Kommentare werden gepostet, manche finden die Wölfe herzig, andere meinen, man sollte sie abschiessen. Und dann wird bezweifelt, ob es sich bei den nur undeutlich erkennbaren Tieren überhaupt um Wölfe handelt.

Christoph Jäggi, Abteilungsleiter Jagd und Fischerei beim Kanton, hat sich die Aufnahmen angesehen. Er bestätigt, dass es sich bei den Tieren um drei Jungwölfe handelt. «Wir wissen, dass es Wölfe in der Gegend hat.» Und dass es sich um drei frei laufende grosse Hunde handle, sei sehr unwahrscheinlich, sagt Jäggi.

Die Jungwölfe wandern aus

Für die letzten Tage werden auf der Website der Abteilung Jagd und Fischerei tatsächlich mehrere Wolfssichtungen im Raum Ennenda verzeichnet. Das Rudel im Raum Kerenzerberg/Schilt, das aus mindestens zwei erwachsenen und sechs Jungtieren bestehe, sei daran, sich aufzuteilen, erklärt Christoph Jäggi. Ein Teil der Jungen müsse sich ein eigenes Revier suchen und die Tiere seien sehr weiträumig unterwegs.

«Ich bin nicht überrascht, dass jetzt Wölfe in Ennenda aufgetaucht sind», sagt Jäggi. Der Wald sei nahe und es könnten dort auch immer wieder Rehe und Rotwild in der Siedlung beobachtet werden. Der Wolf folge seinen Beutetieren auch in die Nähe der Dörfer. Und auf seinen ausgedehnten Wanderungen komme der Wolf in der dicht besiedelten Schweiz gar nicht darum herum, sich auch einmal in Siedlungsnähe aufzuhalten.

«Auf dem mir bekannten Ausschnitt des Videos sieht es für mich danach aus, als ob die drei Wölfe miteinander beschäftigt wären, dass sie herumbalgen und die filmenden Menschen gar nicht bemerkt haben», sagt Jäggi zu den Aufnahmen. Die Tiere würden sich auch nicht bedrohlich verhalten, etwa auf die Menschen zugehen oder knurren. Ein Abschuss, wie er in manchen Kommentaren auf Facebook gefordert wird, komme deshalb nach dem Gesetz nicht infrage.

Sie jagen nicht, sie spielen

In den Facebook-Kommentaren wird darüber spekuliert, dass die Wölfe nicht gespielt, sondern ein Tier gejagt hätten. Dem widerspricht Wildhüter Marco Banzer. Er hat am Freitag die Spur der Wölfe von Ennenda aufgenommen und tatsächlich Blutspuren gefunden. Das Blut stamme aber nicht von einem Beutetier, sondern von einem Wolf selber, der offenbar verletzt sei.

Zur Zeit werden dem Kanton viele Beobachtungen von Wölfen gemeldet. Solche Aufnahmen wie die aus Ennenda seien aber auch für ihn neu, sagt Jagdinspektor Christoph Jäggi. Wenn sich mit dem Frühling das Wild wieder weiter oben in den Bergen aufhalte und wenn die Jungwölfe auf der Reviersuche abgewandert seien, würden die Sichtungen voraussichtlich wieder zurückgehen, so Jäggi.

Keine «Stadtwölfe»

Christoph Jäggi sagt, kritisch werde es dann, wenn sich ein Wolf dauerhaft in einer Siedlung aufhalten würde oder wenn er auch tagsüber dort unterwegs wäre. «Ich erwarte aber nicht, dass sich analog zu den Stadtfüchsen Wölfe dauernd in den Dörfern aufhalten», so Jäggi.

Er verstehe das Unbehagen oder die Angst, die viele Menschen angesichts der Wölfe hätten, sagt Jäggi. «Die Wölfe sind für uns neu, sie sind ungewohnt und wecken Urängste.» Meldungen über Angriffe von Wölfen auf Menschen seien aber für ganz Europa äusserst selten.

Bei einer Begegnung solle man auf sich aufmerksam machen, etwa durch Reden oder Rufen, erklärt Jäggi. Auf keinen Fall solle man die Tiere in Bedrängnis bringen oder verfolgen. Sie sollen Zeit und Raum haben, um sich von den Menschen zu entfernen. «Und wenn sich einmal ein neugieriges Jungtier auf einen zubewegt, darf man es auch anschnauzen.»

Konflikte mit Haustieren sind laut dem Jagdinspektor kaum bekannt. Eine Katze etwa gehöre kaum ins Beuteschema der Wölfe. Mit frei laufenden Hunden könne es Zwischenfälle geben, denn für den Wolf seien sie als Konkurrenten erkennbar. «Hunde gehören im Wald und in der Nähe des Waldes gemäss kantonaler Gesetzgebung aber an die Leine.»

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